Bildung für China

Am 14.12.2021 hat Frau Ass. iur. Ying Lackner bei Circle for Students einen Vortrag mit dem Thema „Bildungswahn in China“ gehalten. Frau Lackner ist Dozentin für Chinesisch und Interkulturelle Chinakompetenz an der Hochschule Osnabrück.

Am 14.12.2021 hat Frau Ass. iur. Ying Lackner bei Circle for Students einen Vortrag mit dem Thema „Bildungswahn in China“ gehalten. Frau Lackner ist Dozentin für Chinesisch und Interkulturelle Chinakompetenz an der Hochschule Osnabrück.

Da alle Eltern das Ziel haben, ihr Kind auf eine Universität zu schicken, kommt es gerade auf die Nachhilfe im privaten Raum an. Das Ziel ist also bei allen Eltern gleich. Es entsteht ein zerstörerischer Wettbewerb, in dem die Angst besteht von seinen Konkurrenten ausgebootet zu werden. Die eigentlich guten Absichten der Eltern erzeugen hier Ängste, Stress und eine enorme finanzielle Belastung. Dies ist die Grundlage für die kommerziellen Nachhilfeunternehmen, die den Wettbewerb zwischen den Eltern nur befeuern.

Dieser „Bildungswahn“ führt zu einem drastischen Anstieg der Nachfrage an außerschulischen Bildungsangeboten. Diese Entwicklungen gehen sogar soweit, dass Lehrer in den öffentlichen Schulen Stoff für den privaten Nachhilfeunterricht aufsparen. Im Ergebnis verschlechtert dies umso mehr die Bildungschancengleichheit für jene die sich eine solche private Nachhilfe nicht leisten können.

Auch kann beobachtet werden, dass hoch qualifizierte Absolventen den öffentlichen Dienst an einer Schule scheuen und lieber an privaten Nachhilfe Instituten lehren. Ein Grund ist dadurch zu erklären, dass die Vergütung der privaten Nachhilfeinstitute um ein vielfach höheres ausfällt als im öffentlichen Dienst.

Frau Ying Lackner

Im Ergebnis zeigten sich durch diese Entwicklung, dass China zwar in der Pisa Studie sehr gut abschneidet, jedoch die mentale Gesundheit der Schüler sehr unter den Bedingungen leidet.

Die chinesische Regierung hat erkannt, dass diese Entwicklung für eine nachteilige Ausbildung der chinesischen Jugend schädlich ist und einige entgegenwirkende Regulierungen bekanntgegeben.

Als wichtige Maßnahme ist vorgesehen, dass Nachhilfe nun nicht mehr gewinnorientiert stattfinden darf. Es sollen keine privaten Ergänzungsangebote mehr zugelassen werden. Generell ist ein zusätzlicher Unterricht an Wochenenden und den Ferien untersagt. Und es gibt ein striktes Wettbewerbsverbot für Nachhilfeunternehmen. Weiterhin ist nun auch die Beteiligung von ausländischem Kapital untersagt. Zusätzliche konkretisierende Maßnahmen werden von Ministerien und Behörden erarbeitet.  

Der Zweck der neuen Regulierung ist es, die Bildungspolitik der Partei vollständig umzusetzen und eine Kultivierung der Menschen durch eine moralische Erziehung zu erreichen. Es soll sich auf den Aufbau eines hochqualifizierten Bildungssystems konzentriert werden und dabei stets die Stellung der schulischen Bildung gestärkt werden. Die Regulierung außer schulischer Bildungseinrichtungen verstärken und die Bevölkerung vor schädlichen Einflüssen schützen. So soll erreicht werde, eine gute Bildungsökologie aufzubauen und die Ängste und den Stress der Eltern zu lindern und die allgemeine gesunde Entwicklung der Schüler in allen Fächern zu fördern, es wird auch das Doppelentlastungspapier genannt.

Hinsichtlich der Auswirkungen neuer Regulierungen, lässt sich erkennen, dass der Nachhilfemarkt deutlich abgekühlt ist, ausländisches Kapital abgezogen wurde, es keine Werbung mehr gibt. Dabei geht man von einer Reduzierung der Offline Lehrangebote von 40 % aus.

Fraglich bleibt an dieser Stelle jedoch, ob die bisherigen Regelungen ausreichend sind. Ein ungewollter Nebeneffekt könnte die Verdrängung der Nachhilfe auf den Schwarzmarkt sein. Fraglich ist, ob die Schulen den Lernbedarf, welcher jetzt nicht mehr privat gedeckt wird, auch abfangen können. Aus den bisher genannten Gründen wird auch nicht erwartet, dass die Lehrkräfte, welche jetzt von den privaten Unternehmen gekündigt wurden, Arbeit im öffentlichen Dienst suchen, da dieser im Vergleich schlechter bezahlt wird.

In China hat man erkannt, dass sich die Schul- und Lernkultur ändern muss. Die Regulierung erfolgt typischerweise hierbei zunächst durch das Aufstellen einiger Grundsätze. Konkrete Maßnahmen werden erst schrittweise danach entwickelt und beschlossen. Bis dahin können noch viele ungeregelte Grauzonen entstehen. Deswegen ist es fraglich, ob die Maßnahmen wirken und zu mehr Bildungschancengleichheit führen. Es muss mehr getan werden als den privaten Nachhilfesektor zu regulieren. Wichtig ist auch Bildung an sich vielfältiger zu gestalten. Ein Anfang ist darin zu erkennen, dass bereits die Bedeutung der Berufsbildung besonders hervorgehoben und gestärkt wurde.

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